Lachen über die Klimakrise – darf man das?

Wem das Wasser bis zum Hals steht, der sollte nicht lachen, sonst verschluckt er sich. Ist das der Grund, warum wir uns über das Wichtige immer so ernst unterhalten? Dabei wissen wir längst: Mit einem Lächeln lernt es sich leichter. Mir persönlich ist angesichts von Gletscherschmelze und Klimadaten das Lachen natürlich längst vergangen. Doch es fehlt mir. Ich habe mich deshalb aufgemacht und nach dem Humor in der Klimakrise gesucht. Denn Angst kann lähmen – Lachen befreit und kann jene Energie freisetzen, die wir zur Bewältigung der Klimakrise brauchen. Also: lesen – und lachen.

Seit Jahrzehnten fordern alle Eltern ihre Kinder auf: «Esst eure Teller leer, dann gibt es schönes Wetter!» Jetzt haben wir den Salat: Dicke Kinder und Klimaerwärmung. Wenn alles gut geht, haben Sie jetzt kurz gelächelt und dann gestutzt: stimmt eigentlich. So könnte Nachdenken über die Klimaerwärmung auch funktionieren. Im deutschsprachigen Raum, insbesondere in der deutschsprachigen Schweiz, ist es aber unüblich, Witze über ernste Themen zu machen. Ich meine dabei nicht herabwürdigende Witze oder Sprüche die verletzen, sondern die Art und Weise, wie sich etwa John Oliver, Stephen Colbert oder Jimmy Kimmel in den amerikanischen Late-Night-Shows über Politik lustig machen: Sie machen Witze über alles und jeden – transportieren dabei aber nebenbei jede Menge Wissen, zum Beispiel über die Klimakrise.

Nehmen wir einen Witz wie diesen: In dreissig Jahren sind die holländischen Fussballer alle arbeitslos – dann wird in den Niederlanden nur noch Wasserball gespielt. Wer diesen Witz erzählt, transportiert gleichzeitig Wissen über den steigenden Meeresspiegel.[1] In den Niederlanden liegt ein Drittel der Fläche des Landes unterhalb des Meeresspiegels. Steigt der Meeresspiegel weiter an, hat Holland ein massives Problem. Natürlich sind nicht alle Witze über den Klimawandel pädagogisch wertvoll. Nehmen wir diesen: Was verlangt ein umweltbewusster Häftling? Eine Solarzelle.[2] Naja. Schon besser ist der: Wissen Sie, warum Picasso in Saudi-Arabien so angesehen ist? Niemand hat sein Öl so teuer verkauft wie er.

Manchmal ist es bitter
Witze sind nicht immer lustig. Manchmal sind sie so bitter, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt, gerade, wenn es um Umweltprobleme geht. Wie dieser Witz, den man sich zu Zeiten der massiven Gewässerverschmutzung in Basel erzählte: Wissen Sie, was die Fische im Rhein machen? Sie studieren Chemie. Oder diese bösen Sprüche rund um die Atomkraft, wie: Früher lachten die Kinder von Tschernobyl, heute strahlen sie… Ganz so schlimm sind die Klimawitze wohl nicht. Manchmal geben sie aber doch zu denken. Etwa der: Wissen Sie, warum die Menschen in Zukunft nur noch an der Sonne arbeiten werden? Weil man bei 35 Grad am Schatten nicht arbeiten kann.

Viel zu reden gibt im Internet die Tatsache, dass Fleischverzehr schlecht ist fürs Klima. Kein Wunder, sind die Studenten an der Uni Basel entsetzt, wenn einer ihrer Kommilitonen Fleisch isst: «Was, Du isst Rindfleisch?! Weisst Du denn nicht, dass Rinder dem Klima schaden? Sie produzieren Methan, das ist irrsinnig schädlich fürs Klima. Willst Du das etwa?» «Nein, deswegen esse ich ja das Rind.» Womit wir bei dieser Gelegenheit mal wieder bekannt gemacht hätten, dass Methan ein äusserst klimaschädliches Gas ist. Deshalb gilt ja die alte Weisheit: Lieber ein eingefleischter Vegetarier als ein vegetierender Fleischer. Wissen Sie übrigens, wer in Europa die klimafreundlichste Wirtschaft hat? Es sind die Griechen: Sie haben keine Kohlen mehr.

Erhellende Glühbirnen
Besonders beliebt sind Witze über Glühbirnen. Die sind bekanntlich heute verboten. Wenigstens bei uns. In den USA sind sie wieder zugelassen worden und Donald Trump ist stolz darauf. Wissen Sie, was eine (europäische) Glühbirne macht, wenn sie durch eine LED ersetzt wird? Sie ringt nach Fassung. Ach ja: Wissen Sie, wie viele Klimaskeptiker es braucht, um eine kaputte Glühbirne zu ersetzen? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Etwa: Keinen, denn die Glühbirne ist nicht kaputt. Sie wird sich selber erholen. Oder: Keinen, der freie Markt wird es richten. Oder: Welche Glühbirne? Und dann kann man sich natürlich noch fragen, wie viele Glühbirnen es braucht, um das Klima zu wechseln.

Gerade auf dem Land gibt es viele Menschen, die keinen ökologischen Fussabdruck haben, weil sie überallhin das Auto nehmen. Kein Wunder, sagte kürzlich ein Klimatologe zum anderen: «Ich sehe schwarz!». Darauf der andere: «Ich weiss…» Deshalb besitzt heute, wer mit der Zeit geht, kein Auto mehr. Wissen Sie, wie solche Leute in Spanien genannt werden? Carlos… Ach ja.

Einer der grössten Klimaleugner der Welt ist der amerikanische Präsident Donald Trump. Selbst Trump wollte kürzlich aber zugeben, dass an der Klimaerwärmung doch was dran ist, da haben ihn seine Berater gestoppt und ihm erklärt, dass es Frühling wird. Gut, das sagt jetzt vielleicht weniger etwas aus über die Klimaerwärmung als über Donald Trump, aber der gehört ja mit ins Bild, weil seine Politik verheerend ist für das Klima. Trump hat ja im Rosengarten des Weissen Hauses bekannt gegeben, dass er das Pariser Klimaabkommen kündigt. Der nächste Präsident wird dann im Seerosenteich des Weissen Hauses verkünden, dass das ein Fehler war.

Die Grenze für Witze
Gibt es eine Grenze für solche Witze? Sicher. Satire ist dann gut, wenn sie sich von unten nach oben richtet. Witze über Donald Trump sind deshalb völlig ok – so, wie es auch die Witze über Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton waren. Witze über Greta Thunberg hingegen sind heikler. Sie ist keine gewählte Magistratin, sondern ein bei aller Berühmtheit verletzlicher Teenager. Also gibt es hier keine Witze über sie. Es gibt aber Kabarettisten wie Dieter Nuhr, die das anders sehen und auch über Greta böse Witze reissen.[3]

Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. Wobei das «trotzdem» meint: Auch dann, wenn sich die Satire gegen einen selbst richtet. Das ist bei vielen Klimawitzen schon deshalb der Fall, weil wir uns über unsere eigene Gesellschaft mokieren. Wichtig scheint mir, dass wir auch ein so wichtiges Thema wie die Klimakrise nicht nur bierernst behandeln. Gerade ein so wichtiges Thema wie die Klimakrise. Wenn Sie wissen wollen, wie das Meer in Zukunft aussieht, können Sie wissenschaftliche Studien konsultieren. Sie können aber auch einfach eine Sardinendose öffnen: die ist auch voller Öl und alle Fische sind tot. Die Apokalypse der Meere lässt sich manchmal mit einem solchen Witz besser transportieren als mit einer trockenen Statistik.

Ich glaube deshalb, wir sollten die Klimakrise nicht immer nur in Form von Todesanzeigen kommunizieren. Erstens erreichen wir mit etwas Humor mehr Menschen und zweitens ist es einfacher, die Ärmel mit einem Lächeln auf den Lippen hochzukrempeln. Immerhin hat in der Schweiz jetzt auch der Nationalrat etwas gegen die Klimaerwärmung unternommen: Er hat hitzige Debatten auf zwei Stunden beschränkt. Die Klimakrise ist definitiv kein Witz. Aber mit ein paar Witzen über die Klimakrise lässt sie sich möglicherweise leichter bewältigen. Vielleicht sollten wir deshalb von den amerikanischen Comedians lernen, auch schwere und schwierige Themen etwas lockerer zu behandeln.

Basel, 17. Januar 2020, Matthias Zehnder mz@matthiaszehnder.ch

Quelle: www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/lachen-ueber-die-klimakrise/