Einen Gang runterschalten – Tempo 30 aufs Spiel setzen? 2x Nein
Im Dorfkern von Münchenstein brausen täglich Autos und Motorräder durchs Dorf, deren Lärm krank macht. Flüsterbeläge sind keine Lösung. Die Initiative des TCS gaukelt Demokratie vor, wo keine ist, sie will nur Tempo 30 ausgrenzen. Deshalb 2x Nein
Einen Gang runterschalten – Tempo 30 aufs Spiel setzen, 2x NEIN“
Ich wohne im wunderschönen, alten Dorfkern in Münchenstein. Die Atmosphäre ist fantastisch hier.
Der Dorfkern wird durchtrennt von einer Strasse, einer sogenannten Kantonsstrasse. Diese Bezeichnung steht für eine Hauptstrasse im kantonalen Verkehrsnetz. Immer wieder brausen Autos und Motorräder durchs Dorf, deren Lärm mich körperlich und geistig vereinnahmt und sogar krank macht. Wenn Sie denken, ich übertreibe mit meiner Beschreibung, dann lesen Sie medizinische Gutachten über Lärm und den Einfluss auf die Gesundheit von Menschen. Dies ist nicht der einzige Punkt des Verkehrs, der einem physischen Angriff gleicht. Sehr gefährlich ist auch die Tatsache, dass es möglich ist, ins Dorf hinein zu rasen, ohne dass man vorher genau sieht, was für eine Situation einem dort erwartet. Der Bremsweg bei Tempo 50 beträgt bei einer Gefahrenbremsung 13 Meter. Man könnte tatsächlich ein Kind, das nicht schnell reagieren kann, überfahren. Sie denken jetzt, bei Tempo 30 kommen Sie nicht pünktlich zur Arbeit. Sie wollen einfach keine Zeit verlieren. Dem Vergnügen eines rasanten Schwungs sind sie auch nicht abgeneigt. Bitte beachten sie Studien zum Einfluss von Tempo 30 versus 50 km/h auf die Fahrtdauer von A nach B, wenn Sie nicht die Autobahn benutzen. Die Zeit ist erstaunlicherweise vernachlässigbar klein.
Es ist gut, dass wir anfangen, auf den zunehmenden Verkehr zu reagieren und Strategien zu entwickeln, wie das Verkehrsnetz in Einklang mit der Wohnbevölkerung und deren Lebensqualität gebracht werden kann. Der Einsatz von Tempo 30 macht auf verschiedenen Ebenen Sinn und kann schnell durch entsprechende Verkehrszeichen umgesetzt werden, einfach und billig. Bundesrat Rösti hat die Idee, diese Herausforderungen des Schweizer Strassennetzes mit einem teuren und ineffizienten Flüsterbelag zu meistern. Dieser soll das Problem des Lärms, nicht aber das der Abgase und Sicherheit lösen. Dass dies nicht funktionieren wird, pfeifen die Vögel von den Dächern, wenn man sie denn hören kann.
Die Komposition von Motorgeräuschen und Klimpern von Geld ist die Musik in den Ohren des TCS und der Autolobby. Bundesrat Rösti, der dort ein gern gesehener Gast ist, gräbt und verhärtet die Kluft der politischen Hierarchien. Der Gegenvorschlag des Landesrates ist die Änderung der Entscheidungsstruktur. Schlussendlich führen viele Wege in den Landesrat. Die Aufrechterhaltung der Bürokratie und Administration verfestigt die Entscheidungsmacht. Die politische Souveränität von Gemeinden mit ihren direkt basisdemokratischen Rechten der Gemeindebewohner:innen kann nicht sinnvoller sein, wie in diesem Fall. Die Entscheidungsmacht gehört denen, die direkt betroffen sind. Der Vorschlag des TCS “ Tempo 30 – Nur mit Zustimmung des Volkes“ und der Gegenvorschlag des Landesrates führen zu einer Illusion basisdemokratischer Werte und zu einer Verwässerung, in der die Forderung nach Eigenbestimmung unseres Lebensumfeldes und Wohnraumes untergehen soll.
Unterstützen wir uns gegenseitig in unseren demokratischen Rechten und das Einstehen für gesunden Lebensraum, stimmen wir 2 x Nein.
Mobilität mit Zukunft:
https://www.verkehrsclub.ch/sektionen/tempo-30-aufs-spiel-setzen-2x-nein
Anja Kaufmann, Grüne Münchenstein